Anti-Flag
Akustik
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03.08.15
05.08.15
04.08.15
Not on Tour
War on Women
Against Me
Flogging Molly
Anti-Flag
Smith Street Band
 

Punk Rock Holiday 1.5: Warm-Up-Tag (03.08.15)

Vom Punkrock Holiday in Slowenien hört man, wen man auch fragt, nur Gutes. Weil das Line-Up beim Monte Paradiso heuer nur was für eingefleischte Crusties war, beschlossen wir also, dieses Jahr auf unseren obligatorischen Kroatien-Trip zu verzichten und uns nach Tolmin zu begeben.

Das dortige Bandaufgebot konnte sich nämlich mehr als sehen lassen. Da war für jeden was dabei. Außerdem liegt der Festivalort an einer unfassbar idyllischen Flussgabelung mitten in den Alpen und ist nur über eine abenteuerliche Serpentinen-Fahrt zu erreichen. Fünf Tage dauerte der Spaß im Paradies inklusive des Warm-Up-Tages, der eigentlich nicht als solcher zählt, weil auch hier mit Scheiße Minelli, Petrol Girls, In-Sane und einem Anti-Flag-Akustikset schon einiges geboten wurde. Dementsprechend viel war auch bereits los.

Was als erstes augefallen ist: Fast jeder hat deutsch gesprochen– und alle zehn Meter traf man gleich bei der Ankunft jemanden, den man kannte. Was ging da ab? – Bei einem Blick auf die Getränkepreise wurde einiges klar. Bei Bier in gefühlter Stamperl-Größe für 2,50 € kann man sich sogar in München einen günstigeren Rausch ins Gesicht stellen. Hinzu kam, dass man nichts mit Bargeld bezahlen konnte, sondern am Einlass eine Paycard bekam. Was ich davon halten soll, ist mir auch im Nachhinein nicht ganz klar. Jedenfalls verlor man recht zügig den Überblick über seine Finanzen.

Etwas seltsam wirkte auch die Tatsache, dass die Veranstaltung unter anderem vom für seine lange Punkrock-Historie bekannten Aldi-Ableger Hofer (wer dort in Tolmin für 15+ Euro einkauft, bekam immerhin ein kleines Freigetränk!) gesponsert wurde. Anti-Flag entpuppten sich übrigens lediglich als deren Bassist mit einigen anderen Musikern die Anti-Flag-Songs in Akustik-Version spielten. Das machten sie zwar sehr anständig, waren aber eben trotzdem nicht wie angekündigt Anti-Flag. Egal, am ersten „offiziellen" Festival-Tag waren die Amis um Frontmann Justin Sane sowieso noch einmal Headliner.

Insgesamt hinterließ der erste Abend einen etws zwiegespaltenen Eindruck. Dieser wurde allerdings nach einem erfrischenden Besuch am Fluss und viel (bei Hofer für über 15 Euro erworbenem) Bier am Folgetag ziemlich schnell ins Positive umgelenkt.

04.08.15

Herrschaftzeiten! Am ersten „offiziellen" Tag hat es mir wie vorher erwähnt schon wesentlich besser gefallen. Glaube ich zumindest angesichts meines Zustandes nach dem Aufwachen. Dementsprechend basiert meine Rekapitulation der Ereignisse eher auf Vermutungen.

Not On Tour waren zum Auftakt der absolute Knaller und haben vorsichtshalber gleich das ganze Festival zerstört. Das habe ich bei vollem Bewusstsein mitbekommen und lege deswegen meine Hand dafür ins Feuer. Weil das so schnell keine Band mehr toppen konnte, haben wir uns recht viel am Zeltplatz und an dem hervorragenden Fluss aufgehalten. Und uns sauber die Kante gegeben.

Es haben dann aber auf dem gesamten Festival-Gelände auch Bars aufgemacht, die 0,5er Bier ausgeschenkt haben. Das war zwar preislich immer noch eher auf deutsche Upperclass-Punker (die wir ja glücklicherweise sind) zugeschnitten ein erheblicher Fortschritt zur Warm-Up-Party. Weiter so!

Der Bassist von Anti-Flag hatte dann auch irgendwann alle Bandmitglieder beisammen. Obwohl ich selber nicht der größte Fan der Band bin, muss ich zugeben, dass die es live schon bringen. Against Me! waren allerdings mein persönliches Highlight. Gender is over - Yeah!

Irgendwann reißt meine Erinnerung ab. Ich weiß aber noch, dass es zum Schluss bei Flogging Molly noch völlig eskaliert ist. Musikalisch, wie auch Feier-Technisch. Das „Drunken Lullaby" war selten so angebracht. In Ermangelung von genaueren Erinnerungen kann und will ich an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, was sonst noch so alles vorgefallen ist.

05.08.15

Als wichtigste Feststellung des Slowenien-Aufenthalts kristallisierte sich am zweiten Tag schnell heraus, dass der Pikante Hummus, den es beim Hofer gibt das wohl beste Lebensmittel der Welt ist. Ideal auch um Würste darin einzutauchen. Themawechsel:

Nach dem Grillen sind wir ziemlich früh zu Jaya The Cat rein. Nicht nur wegen des kultigen Frontmannes eine Weltklasse-Band. Obwohl man mich normalerweise mit Reggae jagen kann. Hat auch super zum Wetter und den Vorhölle’esquen Temperaturen gepasst. In der Umbaupause lief dann in bester Punkrock-Manier DMX und Dr. Dre bevor Teenage Bottlerocket und Madball alle aus den Latschen gehauen haben.

Irgendwie ist es uns gelungen, im Laufe des Tages auf wundersame Weise in einen veritablen Trunkenheitszustand zu verfallen. So entstand dann auch durch vereinte Songwriting-Künste hochkarätiger Bands wie Crack It!, Sonic Abuse und Dollars For Deadbeats die mehr oder weniger offizielle Punkrock-Holiday-Hymne „Dixieklo da drüben - Gengnagel Hier!".

Zum Schluss standen die Beatsteaks auf dem Programm und haben sich dank einer hervorragenden Show auch bei Leuten beliebt gemacht, die sonst keine Beatsteaks hören. Inklusive eines „Teenage Kicks"- sowie eines Billy-Bragg-Covers. Wenn man als Band bei Liveauftritten irgendetwas covert, dann bitte genau so. Dafür gibt es von mir eine 1 mit Stern für diese riesengroße Party.

06.08.15

Man kann sagen was man will aber bei neutraler Betrachtung sind The Exploited echt scheiße. Wie man nach 30 Jahren im Musikgeschäft noch derart souverän seine Einsätze verpassen und Textstellen vergessen kann, hat allerdings auch etwas Eindrucksvolles. Zwischenzeitlich hat Sänger Wattie dann sogar damit gedroht, den Auftritt abzubrechen, weil Stagediver auf die Bühne gesprungen sind. Das geht natürlich auf einem Punkrock-Festival überhaupt nicht. Hat aber auch etwas trauriges, der Typ.

Extrem cool waren hingegen Siberian Meat Grinder, die am späten Nachmittag die Beach-Stage zerlegt haben. Auch wenn es vor der Bühne irgendwann roch, als wäre dort tatsächlich sibirisches Meat gegrindet worden. Nach drei Tagen Festival beginnen Punker bizarre Gerüche abzusondern.

Oben an der Hauptbühne war es dann (abgesehen von der eher unterirdischen Exploited-Show) wesentlich besser auszuhalten. Raised Fist und Less Than Jake haben das Ruder noch herumgerissen und den Abend gerettet. Davor haben wir auch noch eine Nacktbade-Session eingelegt und wurden vom betrunkenen Angrier-Than-You-Gitarrist Jo freundlicherweise zum Schnapstrinken gezwungen.

Der besoffenste Mensch auf dem ganzen Festivalgelände war am dritten Tag allerdings Straightline-Drummer Randy, der irgendwann am Nachmittag erst angereist kam und keine Zeit verloren hat, sich ordentlich herzurichten. Huiuiui. Dabei musste der gute am Tag vier noch trommeln!

07.08.15

Am letzten Festivaltag war schon früh deutlich zu spüren, dass die meisten Menschen nicht für fünf Tage Totaleskalation gemacht sind. Dementsprechend waren einige Besucher am Freitag auch bereits wieder abgereist und das Spektakel vor den Bühnen war insgesamt etwas zurückhaltender.

Das traf unter anderem unsere Homies von Straightline, die als letzte Band auf der Beach-Stage performen durften. Die Jungs waren wie immer Bombe, obwohl es zuvor nur eine einzige Probe mit dem Aushilfs-Basser gegeben hatte. Dem tags zuvor noch hauben vollen Randy war erstaunlicherweise nichts mehr anzumerken! Im Vergleich zu der Party, die am Vortag zur selben Zeit bei Siberian Meat Grinder von der Beach-Stage abging, war aber leider was die Besucherzahl anbelangt eher wenig los.

Vor der Main-Stage sah es später dann schon besser aus. Vermutlich brauchten die meisten Leute am letzten Tag einfach auch länger, um ihre geschundenen Kadaver vom Badeplatz aus aufs Gelände zu schleppen. Vom Lineup her war der letzte Tag für mich persönlich der schwächste. Vielleicht hatten Elvis Jackson, Venerea, Satanic Surfers aber auch nur das Pech, dass ich inzwischen ziemlich an meine körperlichen Grenzen gestoßen war. Spielerisch konnte man denen nämlich absolut nichts vorwerfen.

Das Punkrock Karaoke im Anschluss mussten wir uns aufgrund der am nächsten Tag bevorstehenden Rückreise leider schenken. Scheinbar ging es da aber zum Schluss noch einmal mordsmäßig ab. Um kurz nach zwei sind der John Steam und ich dann aber erschöpft und trotzdem hochzufrieden zurück zum Hotel. Dummerweise vergaß ich vor lauter im Eimer sein dann noch, einen Hammer-Slammer zu trinken. Bei diesem auf dem Punkrock Holiday legendären Drink bekommt man einen Schutzhelm aufgesetzt, muss danach sein Glas exen und bekommt daraufhin vom Barpersonal mit einem Baseball-Schläger auf den Kopf gehauen. Klingt eigentlich genau nach meinem Geschmack. Ausgeknockt war ich dann aber auch ohne!

(Photos: John Steam / Autor: He-Man Powerblast)

Teenage Bottlerocket
Jaya the Cat
Beatsteaks
06.08.15
Siberian Meat Grinder
Exploited
Raised Fist
Less than Jake
07.08.15
Straightline
Venerea
Elvis Jackson
Satanic Surfers
Deutsch English
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